Alte Technik mit neuem Klang

Geschichte

Habt ihr etwa auch noch gute, alte, funktionierende Technik im Keller oder auf dem Dachboden? Mir fällt es irgendwie ziemlich schwer, funktionierendes zu entsorgen und dafür neuen Kram anzuschaffen.
So auch bei diesem kleinen Schätzchen. Dieses Radio der VEB Rechenelektronik / Cellatron hat die letzten Jahre in unserer Werkstatt seinen Dienst verrichtet. Mal mit besserem, mal mit weniger gutem Radioprogramm – aber immer zuverlässig. Die Zeiten ändern sich: DAB+ kommt, UKW geht, wenn auch langsam. Das regionale Radioprogramm ist eher mäßig.

Aus diesem Grund ist schon letztes Jahr ein ausgedientes Autoradio mit USB und Bluetooth in die Werkstatt eingezogen – endlich wieder gescheite Musik. Das Prominent DeLuxe 210 hatte seit diesem Moment nicht mehr wirklich seine Berechtigung. Allerdings vermisste ich schon diesen warmen und vollen Klang.

In diesem Jahr standen dann Renovierung & Umzug bei mir an. Und genau da kam mir das alte DDR Radio wieder in den Sinn.
Wie gut würde sich dieses Prachtstück denn bitte in meiner Küche machen? Sehr gut, das war schnell klar!

Nun war da aber noch dieses Problem mit dem bescheidenen Radioprogramm… Dafür musste eine Lösung her. Zu meinem erstaunen war die Lösungsidee sehr schnell geboren. Das VEB Radio aus Zella-Mehlis verfügt nämlich über einen Audio-Eingang (5-Polig DIN) auf den man via TA-TB Taste umschalten kann. Dieser ist für einen externen Plattenspieler oder ein Kassettenteil gedacht, falls diese Geräte noch jemand kennen sollte. Der Ein-/Aus-Schalter ist ein mechanischer Drehknopf.

Vorbereitung

Um das Gerät fit für die Küche zu machen, hieß es erst einmal: zerlegen und gründlich reinigen. Dabei fiel auch auf, dass der Lack hinter dem Plexiglas des Bedienteils schon bessere Zeiten gesehen hatte. Hier wurde kurzerhand mit ein wenig schwarzem Lack nachgearbeitet. Der ganze Staub wurde abgesaugt, die Zwischenräume bei den Lautsprechern mit einem feuchten Tuch gereinigt und das Holz mehrmalig mit Möbelpolitur bearbeitet.

In meiner Bastelkiste findet sich ja so allerlei Zeug. So auch ein altes Smartphone-Netzteil/Ladegerät mit USB-Ausgang aber mit Australischem Stecker. Als Audioquelle habe ich mich für ein günstiges Audio Bluetooth Receiver Modul entschieden. Dazu noch ein Adapter-Kabel von 5-Polig DIN auf 3,5mm Klinke und das ist schon die ganze Zauberei.

Die Platine bietet zwar noch mehr Möglichkeiten. Zum Beispiel Musik von microSD Karte oder USB-Massenspeicher abspielen und man kann die Funktionen mit ein paar Tasten steuern, allerdings benötigte ich diese Features nicht. Außerdem sollte von Außen nichts von den neuen inneren Werten zu erkennen sein.

Umbau

Nun ging es ans Werk.
Da die nächste Australien-Reise noch in ferner Zukunft liegt wurde das Ladegerät kurzerhand zerlegt. An die beiden Anschlüsse wurde ein kurzes Kabel gelötet. Die eine Ader kam direkt an das Netzkabel des Radios, die andere hinter den Ein-Schalter. So bekommt das Netzteil erst Spannung wenn das Radio auch eingeschaltet ist. Wichtig ist es hier, auf eine gute Isolierung zu achten, niemand mag Kurzschlüsse.

Danach wurde die Audio-Platine mit einem kurzen USB zu Micro-USB Kabel an das Netzteil angeschlossen. Das war auch ein Restbestand direkt aus der Bastelkiste.

Zu guter Letzt wurde das 3,5mm Klinke zu 5-Pol DIN Kabel mit der Audio-Platine und dem Radio verbunden.

Fast Fertig – Nun kurz alles testen und nur noch alles wieder schön zusammen bauen.

Fertig ist ein Radio aus den 70ern mit Bluetooth Empfang.
Jetzt kann man auf dem guten Stück Online Radio, seine MP3 Sammlung, Spotify, Amazon Music oder was auch immer von seinem Smartphone seiner Wahl abspielen – oder eben UKW-Radio, so wie früher®

Das Radio ist nun schon seit Mai 2019 im täglichen Betrieb und macht einfach unheimlich viel Freude.

Aufgrund des Alters vom Prominent De Luxe 210 kommt es bei mir aktuell manchmal zu Brummtönen. Das liegt an den alten verbauten Elkos. Die Elektrolytkondensatoren im Netzteil sind in der Zwischenzeit ausgetrocknet und müssen durch neue ersetzt werden. Diese Optimierung steht demnächst also auch noch auf meiner ToDo Liste… Ist ja alles kein Hexenwerk! Zumal man den passenden Schaltplan zu diesem Wunderwerk der Technik mit ein wenig suchen im Netz findet…

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