Kamera-Slider/Dolly selbstgebaut

Veröffentlicht am 6. März 2013 12 Kommentare

Die Tage werden wieder länger und ich habe mir ein neues Spielzeug gebastelt. Nachdem ich während des letzten Urlaubs die Zeitraffer-Fotografie für mich entdeckt habe und die Animationsmöglichkeiten im postprocessing dank LRTimelapse zwar nicht schlecht sind aber doch noch nicht genau das was ich mir so vorstelle. Deshalb musste eine andere Möglichkeit gefunden werden um zusätzliche Bewegung in die Aufnahmen zu bekommen. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten, entweder man dreht die Kamera um die eigene Achse oder man verschiebt sie linear in eine beliebige Richtung – das ganze kann man ja später auch noch kombinieren. Mich hat erst einmal die Möglichkeit des Verschiebens begeistert – dafür gibt es verschiedenste fertige Produkte, motorisiert, unmotorisiert, zerleg- bzw. erweiterbar usw. Die bekanntesten Slider (auch Dolly genannt) kommen wohl von der Firma Dynamic Perception, zusätzlich gibt es von dp auch noch eine Steuerungseinheit die bis zu 2 Elektromotoren und eine Kamera steuern kann – genannt MX2 Motion Controller. Der ganze spaß hat natürlich seinen Preis wenn man sich so ein fertiges System zulegt.
Etwas günstiger geht es wenn man selbst nicht unbedingt 2 linke Hände hat und die Suchmaschine seiner Wahl bedienen kann – dann findet man haufenweise Anleitungen wie man sich so eine Schiene selbst bauen kann, es gibt die unterschiedlichsten Ideen von ganz billig/günstig aus dem Baumarktsortiment bis hin zu Industriebauteilen die zweckentfremdet werden. Nach einiger Recherche habe ich mich dann für einen Zwischenweg entschieden: ausreichende Qualität & Präzision zum noch vertretbaren Kostenaufwand.
Ich wollte einen Slider haben der ca. 1 Meter lang ist, Motorbetrieben mit verschiedenen Geschwindigkeiten und auch meine 7D mit etwas schwereren Objektiven noch ordentlich bewegt bekommt und diese auch auslösen kann. Dank diverser DIY Anleitungen hatte ich recht schnell ein paar Links für die Bauteile zusammen.
Mein Dolly-System besteht im Grunde aus folgenden Teilen:

Dazu hatte ich noch 1x Stahlwinkel 160 x 50 x 40 mm, 1x Lochblech 140 x 60 mm, 2x Schrauben & 4 passende Muttern beim örtlichen Metallwarenhändler zu besorgen.
Das 60 x 30 mm Vierkant-Aluminium-Profil, diverse Schrauben, Muttern, Unterlegscheiben, das Verbindungsstück um den Zahnriemen zusammenzufügen, ein kleines Aluminium-U-Profil mit dem der Zahnriemen am Schlitten befestigt wurde, die beiden massiven Aluminium-Stücke, Kabel, Chinch-Stecker & Buchse waren schon/noch vorhanden (Abfall bzw. Restbestände) und wurden so sinnvoll Zweitverwertet :)

Nachdem ich die Teile soweit zusammen hatte ging es an die Umsetzung. Ich muss dazu sagen, dass ich mit Metallbe- bzw. verarbeitung nicht so viel am Hut habe, andere Werkstoffe liegen mir eher…
Als erstes habe ich mich an die Baugruppe “Umlenkrolle” gewagt:

  • Zuerst zwei passende Löcher (Abstand der Löcher in den Schienen beachten) für die 2 langen Schrauben in das Lochblech gebohrt, die Schrauben montiert (mit je einer Mutter gesichert) und das “Endstück” das erste mal zur Kontrolle in die Schiene gesteckt (dank des Gewindes und den zwei weiteren Schrauben kann der Zahnriemen später nachgespannt werden)
  • Dann ein passendes Loch für die Kugellager durch ein ca. 35 mm breites Stück des Vierkantprofils (breite Seite) gebohrt (Durchmesser des Zahnriemenrades beachten) , die schmale Seite des Profils, die näher an der Bohrung liegt, abgeschnitten
  • An der Schmalseite werden 2 Löcher gebohrt um das entstandene U-profil mit dem Lochblech mit 2 Schrauben zu verbinden
  • Kugellager, Achse, Zahnriemenrad & Stellringe zusammenbauen und prüfen ob sich alles leichtgängig dreht
  • nun noch die 2 Anschlagpuffer am Lochblech montieren (diese dienen später bei Auf-/Abfahrten als Füße)

Danach ging es die Seite mit dem Antrieb:

  • Ein ca. 90mm langes Stück des Vierkantprofils wurde mit einer Schraube an dem massiven 240 x 60 x 10mm große Aluminium-Stück befestigt.
  • Danach durch beide Bauteile das Loch für die Kugellager & Achse bohren, das Loch im Aluminiumstück habe ich größer gewählt damit sich darin später der Stellring ungehindert drehen kann und man eine flache Auflagefläche hat.
  • Das Bauteil wird nun Bündig an die igus Schiene angelegt, bzw. die Schiene darauf und dann durch 2 gebohrte Löcher mit Schrauben fixiert (Schraubenköpfe sollten mindestens bündig mit der Platte sein).
  • Das Zahnriemenrad benötigt nun noch eine Gewindebohrung damit es an der Achse mit einer Madenschraube befestigt werden kann.
  • Nun die “Antriebseinheit” (Achse, Zahnriemenrad, Lager, Fixierringe) zusammensetzen, die Achse oben länger lassen.
  • Den Motor an der langen Seite des Metallwinkels befestigen (Abstand zu Achse & Maße der Kupplung beachten).
  • Kupplung an Motor & Antriebsachse befestigen.
  • 4 Löcher in das Vierkantprofil bohren um den Winkel anschrauben zu können.
  • Nun noch ein Loch in die Schiene bohren um eine kleinere Alu-Platte auf der anderen Seite zu montieren damit alles eben aufliegt

Jetzt geht es an den Schlitten:

  • Das kleine Alu-U-Profil (Halterung einer alten Duschkabinenwand) wird mit einem Loch für die Festklemmschraube (Zahnriemen) und 2 Löchern für die Befestigung am Schlitten versehen
  • An einer Seite werden in “Fahrtrichtung”  die beiden Löcher auch durch die Platte des Schlittens gebohrt und das U-Profil angeschraubt
  • Jetzt wird durch die Schlittenplatte noch ein Loch für die Befestigung des Stativkopfes gebohrt & ein Gewinde geschnitten (3/8″ oder 1/4″ je nach Kopf)
  • Der Zahnriemen wird nun am Schlitten befestigt
  • Schlitten auf die Schiene setzen und den Zahnriemen einfädeln
  • Zahnriemen zusammenfügen & Spannen

Nun noch etwas Elektronik-Kram:

  • Kabel vom Motor in das 4-Kant-Profil legen
  • Kippschalter (dient bei mir nur als “Not-Aus”) an eine der Adern anschließen
  • Beide Adern entweder mit einem Stecker oder einer Buchse verbinden, ich habe dafür eine Chinch-Verbindung zweckentfremdet
  • Dolly Shield Kit & Arduino Duemillanove Bundle zusammenbauen (um die angegebenen 2 Stunden Bauzeit zu schaffen muss man richtig trödeln und viele Pausen machen)
  • Kabel vom Dolly Shield zum Slider bauen (ich hatte noch ein Netzteil einer defekten Fritz!Box deren Stecker in den Controller passte, auf der anderen Seite den Chinch-Stecker)
  • Alle Kabel verbinden und einen Testlauf machen…

Feintuning:

  • Der Motion Controller Bausatz kommt ohne ein Gehäuse daher, ich habe dafür erst einmal ein altes 3,5″ Festplattengehäuse (bei dem der Chipsatz defekt war) zersägt und zweckentfremdet – nicht Hübsch reicht aber bis ich eine bessere Möglichkeit gefunden habe. Hier und da findet man auch passende Gehäuse die extra für diesen Bausatz verkauft werden, allerdings kosten die fast genau so viel wie der Bausatz.
  • In die Alu-Platten wurden noch Gewinde geschnitten, damit der Slider auch auf Stativen befestigt werden kann

Und so sieht das dann aus wenn ‘s “fertig” ist:

Motorhalterung Slider Antrieb & Anschlüsse Slider Antrieb & Anschlüsse Slider Antrieb
Slider Antrieb Slider Umlenkrolle Slider Umlenkrolle Slider Umlenkrolle
Schlitten auf Schiene Schlitten und Riemenklemme Slider, Motion Controller & Akku Slider, Motion Controller & Akku

Und in Aktion dann so:

Kategorien: DIY, Hardware, Timelapse

12 Kommentare bis jetzt.

  1. manuel sagt:

    das mit der hütte und den baum gefällt mir am besten, auch wenn die hardware gewöhnungsbedürftig ausschaut und du die so sicher nicht in den flieger bekommst ;)

    mb

  2. Viktor sagt:

    im Bild 10 hast du ein Verbindung Schloss für Keilriemen verwendet, der steht nicht auf deine Liste, wo hast du diesen gekauft.

    • frag-mich-doch.net sagt:

      Hi Viktor,
      da hast du allerdings recht. Unter der Materialliste steht:

      Das 60 x 30 mm Vierkant-Aluminium-Profil, diverse Schrauben, Muttern, Unterlegscheiben, das Verbindungsstück um den Zahnriemen zusammenzufügen, ein kleines Aluminium-U-Profil mit dem der Zahnriemen am Schlitten befestigt wurde, die beiden massiven Aluminium-Stücke, Kabel, Chinch-Stecker & Buchse waren schon/noch vorhanden (Abfall bzw. Restbestände) und wurden so sinnvoll Zweitverwertet

      Ich kann dir also leider nicht sagen, wo ich das Teil gekauft habe, “es war einfach da”. Ich weiß nicht einmal genau wofür es eigentlich gedacht war, eventuell um 2 Seile oder Elektrokabel nah beieinander zu verlegen/spannen. Hätte ich das Teil nicht gehabt, hätte wohl versucht die beiden Riemenenden an dem Schlitten zu befestigen.
      Ich hoffe ich konnte weiterhelfen, wenn nicht dürfte man unter dem Suchbegriff “Zahnriemenschloss” eventuell etwas passendes finden, auch wenn man dann unter umständen einen anderen Riementyp wählen muss.

      Edit: Du könntest aber mit so einer Klemmplatte: http://www.maedler.de/Article/17319900 Erfolg haben.

  3. frag-mich-doch.net sagt:

    Das gezeigte U-Profil mit dem Umlenkzahnrad ist übrigens ein Stück aus dem gleichen Material wie das verwendete “60 x 30mm Vierkant-Aluminium-Profil” durch das ich ein Loch gebohrt (für die Kugellager & die Welle mit dem Zahnrad) habe um danach eine der 2 kurzen Seitenwände abzusägen.
    Danke an Patrick für ‘s nachfragen per Mail.

  4. Ludwig sagt:

    Hallo,

    die Seite von Dolly Shield Kit & Arduino Duemillanove Bundle wird nicht mehr gefunden, Frage wie war das mit dem Zusammenbau und der anschließenden Programmierung? was für Kenntnisse werden vorausgesetzt?
    Auf Deine Antwort bin ich gespannt und wünsche Dir schon heute ein frohes Osterfest.

    Herzliche Grüße
    Ludwig

    • frag-mich-doch.net sagt:

      Hallo Ludwig,
      ich hoffe du hattest sonnige Ostern.
      Den Bausatz des MX2 gibt es soweit ich weiß nicht mehr zu kaufen (auch die fertige Version wird man nur noch selten zu Gesicht bekommen). Den neueren Dynamic Perception MX3 Motion Controller gibt es (noch) nicht als Bausatz.
      Ich habe den Artikel aktualisiert, ich habe einen Link zum Schaltplan gesetzt – ob da auch eine Teileliste dabei ist habe ich jetzt nicht nachgeprüft.
      Mit dem Bausatz konnte das wirklich jeder der schon einmal einen Lötkolben in der Hand hatte selbst bauen. Mit Schaltplan & Lochrasterplatine dürfte es schon etwas schwieriger werden. Das aufspielen der Software ist einfach und soweit ich weiß auch im Handbuch erklärt.

  5. […] bevor mein DIY-Slider in diesem Jahr seinen ersten Geburtstag feiern konnte war mir klar, dass es so nicht weitergehen […]

  6. Klemens sagt:

    Hallo,

    ich versuche gerade selbst einen Slider zu bauen und bin gerade in der Planungsphase.
    Zurzeit beschäftigt mich, wie ich den Schlitten stoppen kann, bevor er in das Zahnriemenrad rattert.
    Ich denke an einen simplen Endschalter, der vom Schlitten betätigt wird uns somit den Stromkreis unterbricht.
    Würde mich freuen wenn ich einen Tipp erhalte.

    Mit freundlichen Grüßen

    Klemens

    • frag-mich-doch.net sagt:

      Hallo Klemens,
      du müsstest einen Taster (Öffner) (Bsp: http://www.conrad.de/ce/de/product/701114/Drucktaster-250-VAC-15-A-1-x-EinAus-SCI-R13-509B-05BK-tastend-1-St/ ) an den beiden enden verbauen, damit der Schlitten diesen betätigen und den Stromkreis unterbrechen kann. Außerdem brauchst du wohl noch einen zweiten Schalter/Taster (Schließer) der den nun geöffneten Stromkreis wieder schließen kann (sprich Parallelschaltung) damit du den Schlitten wieder in die andere Richtung bewegen kannst. Ich habe hier auch noch zwei Öffner rumliegen, hatte genau die gleiche Idee – nach mehr als einem Jahr Gebrauch des Sliders habe ich die aber noch nicht verbaut, bisher hat es auch ganz gut ohne Funktioniert.
      Das schöne an so einem DIY Projekt ist ja, man kann es jederzeit anpassen/erweitern wie man es braucht. Ich denke die Taster nachträglich zu verbauen dürfte kein großer Aufwand sein.
      Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, kann man die Taster auch an den MX2 über die ext0 & ext1 Anschlüsse koppeln (vermutlich auch beim MX3). Dann würde nicht nur der Slide abbrechen sondern auch die Aufnahme – müsste man mal in der Dokumentation nachsehen.
      Ich habe meinen Slider auch eher wieder etwas zurückgebaut, mein “Not-Aus-Kippschalter” und die Buchse für den Stromanschluss wurden entfernt – jetzt hat das Kabel am Motor direkt den passenden Anschluss für den MX2-Controller und den Schalter habe ich auch nicht wirklich benötigt.
      Hoffe ich konnte weiterhelfen…

  7. Fipsifipsi sagt:

    Servus ! Geiles Teil was du da gebaut hast ! Wahnsinn gefällt mir sehr gut ! Eine frage zu dem ganzen, bist du zufrieden mit der XTPower MP-16000 Powerbank? Ist das ausreichend für den Motor? Wie lange hebt das ganze in etwa ? Ich habe in Sachen Elektronik keine Ahnung deswegen frage ich dich hier mal.

    Mit freundlichen Grüßen ! Mach weiter so !

    • frag-mich-doch.net sagt:

      Hallo Fipsifipsi,
      freut mich, dass mein Projekt gefällt.
      Mit der Powerbank bin ich noch immer zufrieden – hab den Akku noch an keinem Tag leer bekommen (mit Slider & MX2). Reicht locker für den Motor. Mittlerweile hab ich da zusätzlich zum Slider und dem MX2 auch noch die EOS 400D und die 7D mit einem Spannungswandler dran hängen und noch einen Arduino Uno der einen Motor-Dreh-Neiger (hängt ebenfalls an der Powerbank) steuert. Mit dem ganzen Kram hab ich bisher 4h am Stück aufgenommen, der Akku war aber noch nicht leer nur die Szene im Kasten… Hatte oft eher das Problem (wie auch andere, siehe LRTimelapse Forum), dass sich der Akku einfach abgeschaltet hat, seitdem ich aber das Display vom MX2 an lasse und die Hintergrundbeleuchtung länger laufen lasse funktioniert es – mit mehr Verbrauchen dran ebenfalls. Habe mir jetzt aber noch den Anker Astro Pro2 mit 20.000 mAh geholt da ich demnächst längere Zeit ohne Steckdosenreichweite unterwegs bin, mit dem spiele ich gerade etwas herum, deshalb hier noch keine Empfehlung…