Mein Sprinter wird ein Jahr…

Der Weg zum Gefährt

Manchmal muss man seine Pläne einfach ändern, um an seine Ziele zu kommen. So erging es auch mir im letzten Jahr. So wie der Plan, einen relativ günstigen Ford Transit im Frühjahr 2017 zu erwerben um ihn dann auf meine Bedürfnisse umzurüsten. Der Transit war gut gepflegt, keine Frage aber es erwies sich trotzdem nicht als Sinnvoll. Das war der Ford, mit dem ich 2016 Island bereist habe. Der mit dem ich an Stellen war, wo ich weit und breit keinen anderen mit so einem Gefährt gesehen habe. Und mir dann doch ein paar Dinge im Hochland nicht getraut habe. Außerdem vermisste ich auch etwas Komfort beim bewohnen. Den Transit wäre höher zu legen, von Frontantrieb auf Allradantrieb umzurüsten und ihn dann als Transport und Reisemobil umzubasteln. Sicherlich machbar aber wirtschaftlich und technisch nicht gerade die beste Lösung. Ein reiner Camper oder Wohnmobil wäre mir auch nicht praktikabel genug. Man hat halt immer mal wieder auch größere Dinge zu transportieren. Da ist es dann einfach unheimlich praktisch ein passendes Vehikel vor der Tür stehen zu haben. Und so ergab es sich dann während der Recherche zum Transit-Umbau, dass mir ein Mercedes Sprinter, einer der letzten T1N die 2006 vom Band gelaufen sind, angeboten wurde. Nach einer Probefahrt, reichlich Bedenkzeit und der Suche nach weiteren Alternativen wollte ich den Allrad-Sprinter haben. Das ganze zögerte sich dann aufgrund der noch durchzuführenden Reparaturen sowie Hauptuntersuchung und Abgasuntersuchung ein wenig hinaus. Der Gute hatte damals gut 394100 Kilometer auf der Uhr – aber wohl schon mit zweitem Motor und Getriebe.

 

Meiner

Am 19.08.2017 war er dann endlich meiner – ein Sprinter 313 CDI 4×4, T1N bzw. W903 mit 95kW/129PS – Baujahr 2006. Aber es ist nicht irgendein Mercedes-Benz Sprinter – ursprünglich wurde er in Annaberg-Buchholz als Rettungswagen eingesetzt. Das Rettungsmobil wurde von Ambulance Mobile auf diese Bedürfnisse hin zugeschnitten – allerdings ohne den gewohnten eckigen „Kofferaufbau“ sondern im Original-Sprinter-Style nur mit GFK-Dachaufbau. Später wurde er dann 2 mal weiterverkauft bevor er den Weg zu mir fand. Der Zweitbesitzer hat das Fernlicht ordentlich aufgemotzt (4 Große Zusatzscheinwerfer verbaut), ihn für mehr Bodenfreiheit höher gelegt (dabei auch die Radkästen angepasst) und eine größere Rad/Reifenkombination aufgezogen. Zusätzlich kam da wohl auch die Beklebung dazu. Seitdem fährt der Sprinter auf großen 265/75 R16 Schuhen mit feinen Alufelgen der Mercedes-Benz G-Klasse durch die Welt. Der dritte Besitzer hat das gute Stück hauptsächlich für seinen Handwerksbetrieb verwendet. War aber auch ein wenig Off-Road unterwegs – was dann auch den Zustand beim Kauf erklärt. Zusätzlich zum Benutzungszustand war auch das Hauptthema in diversen Foren zu diesem Mercedes-Fahrzeug gut ersichtlich: ordentlich Rost. An diversen Stellen gab es unter dem Lack Blasen, wurde schon mehrmals ausgebessert und auch schon hier und da mal etwas nachgeschweist. Der Sprinter Stand zu diesem Zeitpunkt gut ein Jahr unter freiem Himmel ohne wirklich bewegt zu werden.

Viel Arbeit

Was ich mir da angelacht hatte war mir durchaus bewusst. Mit einfach ein Bett rein und los auf große Tour wird es nichts werden. Viel Zeit ging erst einmal für das ausräumen, putzen und wieder einräumen im hinteren Bereich drauf. Ein Holz-Klapptisch und einige Aufkleber im Innenraum waren zu entfernen. Nach vielen Eimern Wasser und viel gutem Industrie-Reiniger und noch mehr Zeit waren Wände und Decke wieder weiß. Eine der ersten Anschaffungen war ein hübscher Schlüsselanhänger – seitdem fährt ein kleiner Deadpool in Lego-Optik mit. Danach machte ich mich an die Beleuchtung. Die verbauten Leuchtstoffröhren wurden entfernt und in die Gehäuse LED-Strips eingeklebt. Auch in der Lampe unter dem Deckenlüfter wurde das Leuchtmittel durch LED-Strips ersetzt. Die beiden 12V Spots wurden durch die LED-Variante ersetzt. Danach wurden Klimaanlage, Standheizung, das kleine Kühlfach und das Wärmefach (so etwas ist bestimmt im Winter super praktisch) ausgebaut, gereinigt und wieder eingebaut. Nachdem das erledigt war zog ich 2 Kabel vom Autoradio nach hinten und verbaute 2 Lautsprecher – jetzt kann man auch hinten Musik hören. Die Tönungsfolie an den hinteren Fenstern hatte über die Zeit auch Blasen geworfen und wurde erst einmal entfernt. Die ganzen Schränke zu reinigen war noch einmal richtig Arbeit. Diese wurden mit Anti-Rutsch-Matten ausgekleidet. Nun klappert und scheppert hier nichts mehr. Die noch vorhandenen Anschlüsse für diverses Medizinische Gerät habe ich entfernt und die entstandenen Löcher mit Kunststoffabdeckungen verschlossen. Der Sprinter hat außen einen 3 poligen Stromanschluss. Dieser wird verwendet um die beiden Batterien aufzuladen und im Laderaum eine 230V Steckdose zu betreiben. Die Steckdose wurde mit einer Verteilersteckdose aufgewertet. Da man Unterwegs selten einen Stromanschluss zum andocken findet, aber trotzdem Geräte dabei hat die sich nicht mit 12V Gleichspannung betreiben lassen musste noch ein Wechselrichter her. Meine Wahl fiel auf den Erayak 500W Wechselrichter – diesen habe ich im Fahrerraum hinter dem Beifahrersitz befestigt und an die zweite Batterie unter dem Beifahrersitz angeklemmt. Nun noch ein Kabel mit einer Steckdosenbuchse nach hinten verlegt und fertig. Zusätzlich wurden dabei auch noch 4 USB-Ladeanschlüsse, 2 weitere 12V Anschlüsse (diese hier ) und ein Anschluss für mein LiPo-Akku-Ladegerät verbaut – natürlich alles ordentlich abgesichert . Um den vorhandenen Anhänger aus DDR-Zeiten weiterverwenden zu können musste die Hängerkupplung tiefergelegt werden. Mit der verbauten gab es an der hinteren Kannte Bodenkontakt… Dabei wurde auch gleich noch die 13-polige Steckdose für die Anhängerkupplung erneuert. Eine Rückfahrkamera erschien mir bei dem winzigen Anhänger eine lohnende Investition, da man ihn in keinem der Rückspiegel sehen kann. Kamera , Display und die Funkübertragungsstrecke wurden direkt in China bestellt. Die Kamera wurde an eine der hinteren Arbeitsscheinwerfer geklemmt da im Dachaufbau kein Kabel vorhanden war um den Rückfahrscheinwerfer abzugreifen. So hat man beim rückwärtsfahren auch gleich mehr als ausreichend Licht. Das Display ist auch ohne technische Spielerei mit einem einfachen Kippschalter schaltbar. Sprich man muss nun 2 Knöpfe betätigen um die Sicht nach hinten zu verbessern. Hat dadurch aber einen sehr einfachen und Fehlerunanfälligen Aufbau ohne technischen Schnick-Schnack. Auch ein Argument für einen älteren Sprinter – vieles läuft noch einfach via Schalter oder Mechanik, da kann man auch mal selbst Hand anlegen.

Fit für die Nacht

Um wirklich auf Tour gehen zu können benötigt man auch noch eine Schlafmöglichkeit. Da der Sprinter keine Transporttrage mehr verbaut hatte musste ein anderes Bett her. Während der Island Reise im Ford Transit hat sich mein Selbstbau aus Holz-Latten und OSB-Platten bewährt. Einige Teile konnte ich weiter verwenden. Was mir vorschwebte war ein zweiteiliges Bett mit Stauraum. Gebaut habe ich zwei unterschiedlich breite Liegeflächen die man aufeinander Stellen und mit Metallbolzen verbinden kann. Darunter hat man dann 2 Reihen als Regal in die wunderbar meine stabilen Kunststoffkisten passen. Braucht man mal mehr Platz, stellt man das Oberteil direkt neben das Unterteil und füllt damit die ganze Breite des Sprinters aus. Da die Scheiben aktuell nicht verdunkelt sind, habe ich einfach 3 Pappen geschnitten die ich an den Türen mit Magnethaken befestige – die Scheibentönung muss bis nach der Rostbekämpfung warten. Weiteren Stauraum konnte ich mit 3 Netztaschen gewinnen, die aktuell nur provisorisch angebracht sind.

Was man Unterwegs noch so benötigt

Unterwegs macht man gerne auch mal eine Radtour, dank des Glasfaserverstärkten-Kunststoff-Dachaufbaus und der benötigten Nutzbarkeit der Hecktüren kommt hier nur ein Transport im Innenraum in Frage. An der Wand befestigte ich also ein paar Holzleisten und eine klappbare Fahrradwandhalterung . Oben drauf direkt noch 2 Konsolen um im Winter auch die Langlauf-Ski ordentlich verstauen zu können. Ein noch vorhandener Feuerlöscher wurde auch gleich noch eingebaut – besser haben als brauchen. Für den Trinkwasser und Nutzwasserbedarf habe ich mir zwei 20 Liter Kanister mit Auslasshahn angeschafft. Die beiden Kanister passen prima in das Fach welches über die seitliche Schiebetür erreichbar ist und früher mal für die Notfallkoffer benutzt wurden. Um sich dann auch noch ein wenig Luxus zu gönnen darf eine Kühlbox nicht fehlen – wohl eines der Dinge die ich auf Island am meisten vermisst habe. Meine Wahl fiel auf eine DOMETIC CombiCool RC 1600 EGP – nicht zu teuer und trotzdem gut, diese kann man mit Gas, 12V DC und 230V AC betreiben. Gekocht wird mit einem simplen Gaskocher der schon viele gute Gerichte bereitet hat. Oder mit meinem Esbit Kocher den ich im Winter gerne verwende. Durch die mobile Kocher-Variante hat man die Möglichkeit draußen zu kochen. Damit man sich nicht das ganze Auto einnebelt und dauernd Hunger wegen des leckeren Geruchs bekommt. Um das Geschirr dann auch wieder sauber zu bekommen habe ich mir eine faltbare Schüssel zugelegt. Ist man selbst schmutzig hilft die mobile Dusche weiter.

Vorne wurde dann auch noch einmal kräftig geputzt, besonders viel Spaß hatte ich mit den ganzen Lüftungsdüsen die alles andere als sauber waren. Dabei wurde dann auch noch eine Magnethalterung für mein Smartphone und eine Halterung für die Ladekabel angebracht. Ist man Off-Road Unterwegs macht sich irgendwann auch mal ein Klappspaten , Reifendruckprüfer und Kompressor bezahlt. Beim Umbau haben mir vor allem die Kabelschuhverbinder , die klebbaren Kabelhalterungen , Haken- & Ösenschrauben und ein Satz Ringmaulschlüssel sowie das bereits vorhandene Equipment extrem geholfen.

Ungeplantes

Während der Bauphase verabschiedete sich dann eine der Glühkerzen und auch noch das dazugehörige Steuergerät. Erst einmal kein Problem, da dieser Panzer (also vom Geräuschpegel her) auch im tiefsten Winter problemlos ansprang und gut zu bewegen war. Im Frühjahr 2018 ging es dann aber doch erst einmal in die Mercedes-Benz-Werkstatt. Einmal Service komplett – alle Öle wechseln etc. dazu die Glühkerzen und Steuergerät tauschen. Dabei viel dann auf, dass das Verteilergetriebe undicht war und der Auspuff neu befestigt werden musste. Dies wurde dann später auch noch erledigt. Jetzt gab es die nächste Mängelliste – die Bremsleitungen sollten erneuert werden, sowie die Ankerbleche an der Hinterachse. Nicht wirklich kritisch, aber sollte im Laufe des Jahres erledigt werden.

Erste TOUR

Wichtiger waren mir hier erst einmal ein Satz neue Reifen. Mit den doch schon etwas in die Jahre gekommenen BFGoodrich Mud Terrain T/A war es im Winter nicht immer ganz Stressfrei. Vor Ostern sollte es ja auch auf die erste Reise gehen. Meine Wahl viel auf die BFGoodrich All-Terrain T/A KO2 265/75 R16, auch weil sie das „Schneeflockensymbol“ haben und man sie somit das ganze Jahr fahren kann. Am 13. März 2018 mache ich mich dann also mit gepacktem Sprinter auf den Weg in Richtung Süden. Erster Stopp – der Kreuzberg in der Rhön. Die Nacht bei angenehmen 0°C im Komfortablen Schlafsack verbracht. Um einen guten Überblick über das Klima im Sprinter und auch Außerhalb zu haben, habe ich innen eine Wetterstation befestigt, der außenfühler wird im Stand einfach via Neodym Magnet außen an die Tür geheftet. Am Morgen schön Gefrühstückt und frischen Schnee vor dem Gefährt erblickt – herrlich! Bergab war es dann nicht mehr ganz so entspannt. Nach kurzer Zeit meldete sich die Bremsbelags-Verschleiß-Anzeige. Mit dem Wissen dass die Bremsleitungen nicht mehr ganz so Tau frisch sind und nun auch noch die Beläge zu wechseln sind fährt es sich nicht gerade unbeschwert. Hier habe ich dann erst einmal abgebrochen und den Sprinter sicher nach Hause und danach zur Werkstatt meines Vertrauens gefahren. Einmal bitte Beläge, Bremsleitungen, Ankerbleche erneuern. Die nächsten Tage verbrachte ich meinen Urlaub dann also in der Heimat. Dann kam der Anruf, dass noch ein wenig mehr gemacht werden müsste und ob ich mal vorbei kommen könnte zum besprechen. Gesagt getan & machen lassen. Dank Krankheits- und Urlaubsausfällen zog sich die Reparatur dann bis zum 29.03.2018 hin. Sprinter abgeholt, alles Prima. Zuhause alles wieder eingeladen und los gefahren um die restlichen Urlaubstage bis zum 02. April noch unterwegs zu genießen. Das war dann zwar schon die zweite Tour, aber die war richtig schön!

Was noch so zu tun ist

Eigentlich ist der T1N so schon echt gut zu gebrauchen. Was wir damit schon alles Transportiert haben: Möbel, Brennholz, Bauschutt, Ölfässer usw. Auch die Hängerkupplung war eine gute Investition. Auch nach einer feucht-fröhlichen Firmenfeier nicht nach Hause fahren zu müssen sondern einfach am Arbeitsort übernachten zu können – ein wahrer Traum. Aber Arbeit ist an dem Gefährt noch genügend da. Der Rost ist bisher nicht auf magische weiße verschwunden und auch eine Achsvermessung sowie Erneuerung der Stabilisatorgummis steht noch an. Wenn der Rost erst einmal bekämpft ist, muss noch die Beklebung weichen und der Lack ausgebessert werden. Ein Solarmodul auf dem Dach (wo früher das Blaulicht war) wäre auch nicht schlecht. Und auch sonst fallen einem beim machen und werkeln an dem guten Stück immer neue Dinge ein die man ändern und verbessern könnte.

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